Postkarten die Trauerwissen vermitteln – Artikel in der Memento

Memento, so heißt die einmal jährlich erscheinende Mitgliederzeitschrift des Vereins Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main e.V.
Als ich im letzten Jahr gefragt wurde, ob ich nicht einen Beitrag zu den Postkarten beisteuern könnte, habe ich natürlich sehr gerne ja gesagt.

Nun habe ich im Dezember ein Belegexeplar geschickt bekommen. Das Heft ist toll und enthält total viele wertvolle Artikel und Beiträge! Ich finde es echt super, was der Verein da, neben den vielen großartige Veranstaltungen und sonstigen Angeboten, jedes Jahr auf die Beine stellt.

Das hier ist mein Text:

Karten für mehr Trauerwissen

Ich habe in meiner langjährigen Tätigkeit als Trauerbegleiterin im Grunde noch keinen trauernden Menschen getroffen, der mir nicht von Verletzungen durch sein soziales Umfeld berichten konnte. In den meisten Fällen handelte es sich um unbedachte Äußerungen, die eigentlich helfen oder trösten sollten. Derjenige, der sie machte, meinte es in der Regel gut und er wusste nicht, was er damit anrichtete. Er verstand nicht, dass sich der Trauernde dadurch wie vor den Kopf gestoßen, völlig missverstanden oder zu unrecht angegangen fühlte.

Mich machten solche Berichte regelmäßig betroffen und ich habe viel darüber nachgedacht, was man tun kann, um etwas zu ändern.
Oft sind es gängige Floskeln oder Ratschläge, die sich bei trauernden Menschen regelrecht ins Gedächtnis brennen und durch die mitunter auch langjährige Freundschaften zerbrechen können. Ich sehe darin ein gesellschaftliches Problem, denn ich glaube, dass es daran liegt, dass zu wenig über Trauer bekannt ist. Menschen, die noch nie selber einen schweren Verlust erleben mussten, können sich schlichtweg nicht in die Gefühlslage von Trauernden hineinversetzen. Ihnen fehlt dieser Selbsterfahrungswert und da wir in der Gesellschaft wenig über Trauer sprechen, könne sie auch nicht auf erlerntes Wissen zurückgreifen. Geht es jemandem schlecht, ist e sganz normal, dass wir versuchen, ihn mit Worten zu trösten, ihm Mut zuzusprechen, Hoffnung zu vermitteln … Genauso wird es auch bei Trauernden gemacht, nur da wird es von den Betroffene oft nicht als hilfreich wahrgenommen, denn in der Trauer trösten nun mal keine Phrasen. Und auch Ratschläge, egal wie sinnvoll sie sein mögen, fühlen sich für Trauernden oft wie Schläge an.

Ein weiterer Grund, wie es zu den verletzen Äußerungen kommt, liegt in der Unsicherheit vieler Menschen. Wer nicht weiß, was er sagen soll, versucht sich durch ihm bekannte Floskeln aus der Situation zu retten, denn es erscheint leichter, überhaupt irgendwas zu sagen, anstatt zur eigenen Sprachlosigkeit und Unsicherheit zu stehen. Das ist sehr schade, denn ein ehrliches „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“ ist natürlich 1000 x mal besser, als irgendeine Trauerfloskel. Daher heißt ein Satz aus meiner Reihe der #trauerwissen-Bilder auch „Wenn du nicht weißt, was du einem Trauernden sagen kannst, dann sag ihm genau das.“

Die Trauerwissen-Textbilder sind, genauso wie die Postkarten, aus dem Bestreben entstanden, mehr Trauerwissen in die Gesellschaft zu bekommen, damit die unnötigen Verletzungen irgendwann aufhören. Ich glaube fest an das Gute im Menschen und ich gehe davon aus, dass wir „nur“ dafür Sorgen müssen, dass Nicht-Trauernde wissen, was Floskeln und Ratschläge bewirken. Es ist reine Unwissenheit und dagegen kann man etwas tun. Genau da möchte ich mit den Bildern und Postkarten ansetzen.

Trauer Bullshit Bingo Postkarte

Angefangen hat alles mit der Trauer Bullshit Bingo Karte. In 2018 habe ich eine Fortbildung der mittlerweile leider verstorbenen Sabine Dinkel besucht. Sie hat an diesem Tag u.a. ihre Krebs Bullshit Bingo Karten vorgestellt. Ich kannte den Begriff „Bullshit Bingo“ bis dahin gar nicht, war aber sofort von der Kartenidee begeistert und mir war klar, dass es die auch für Trauerfloskeln geben sollte. Sabine wollte mit ihren Karten Krebspatienten einen etwas leichteren, humorvolleren Umgang mit unangebrachten Äußerungen ermöglichen. Genau das möchte ich mit dem Trauer Bullshit Bingo auch. Es gibt da aber noch mehr Aspekte, weshalb ich nach wie vor voll hinter der Karte stehe. Die Karte bereitet Trauernde darauf vor, was Ihnen alles begegnen kann. So haben sie die Chance, schon einmal im Vorfeld in Ruhe zu überlegen, wie man auf welche Floskel ggf. regieren kann oder möchte. Wenn sie einem dann wirklich begegnen, ist man im besten Fall nicht mehr ganz so perplex, sondern kann gelassener in dem Wissen reagieren, dass solche Phrasen ganz typisch und offenbar ein Phänomen unser Gesellschaft sind. Wenn man weiß, wie es zu den Äußerungen kommt und dass sie nicht persönlich gegen einen selbst gerichtet sind, dann verletzen sie auch nicht so sehr.

Die Karten bieten auch einen wunderbaren Gesprächseinstieg ins Thema und genau aus diesem Grund darf die Bilddatei auch von Trauergruppen, Trauercafes etc. für alle nicht kommerziellen Zwecke frei genutzt werden.
Die abgedruckten Sätze wurden übrigens zusammen mit den Followern meiner facebook-Seite ausgewählt. Es waren viele Trauernde daran beteiligt und wir haben gemeinsam die 25 häufigsten Phrasen zusammengetragen und ausgewählt.

Da die Bullshit Karte in den sozialen Medien überwiegend gut ankam und viel Resonanz bekam, sollte als nächstes eine Karte entstehen, die Tipps für Nicht-Betroffen im Umgang mit Trauernden liefert. Daraus ist dann – ebenfalls wieder mit Hilfe viele facebook-Follower – die Spickzettel Karte entstanden.

Spickzettel für den Umgang mit Trauernden - Postkarte

Als nächstes kam die Boxring Karte, da ich gerne auch nochmal explizit auf die Problematik mit den Ratschlägen hinweisen wollte.

Oft fühlen sich Ratschläge wie Schläge an - Postkarte

Als letztes wurde dann Anfang dieses Jahres noch die Top Ten Karte entworfen. Es nützt meiner Meinung nach nicht, Menschen nur zu sagen „nutzt bitte keine Floskeln, wenn ihr mit Trauernden sprecht“, sondern es ist wichtig, ihnen zu erklären, was alles darunter fällt, damit sie genau diese Sätze zukünftig vermeiden. Daher haben ich versucht, möglichst viele davon auf der Karte unterzubringen.

Top Ten der schlimmsten Trauerfloskeln - Postkarte

Das Design aller vier Postkarten stammt übrigens von meiner Lieblingsgrafikdesignerin Tine Schenk, mit der die Zusammenarbeit einfach wunderbar funktioniert. Sie hat es bisher jedes mal geschafft, meine verschiedensten Ideen super umzusetzen.

Die Bilddateien stehen zum kostenlosen Download auf meiner Seite iris-willecke.de zur Verfügung.

Wer mag, kann sich auch fertige Postkarten bei Danacards bestellen und damit gleichzeitig Gutes tun, denn bei DanaCards werden die gesamten Gewinne an soziale Projekte gespendet.

#trauerwissen #trauerfloskeln #gutzuwissen #sagnicht