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#esheisstsuizid-Kampagne

Ich bekomme immer wieder interessante Rückmeldungen zu der #esheisstsuizid – „Kampagne“.

Es gibt einen kleinen Teil an Menschen, die offenbar nicht in der Lage sind, mal Abstand von ihrer ganz persönlichen Meinung zu nehmen und die nicht akzeptieren können, dass der Begriff „Selbstmord“ viele (ja, es sind nicht alle, – das behaupte ich aber auch gar nicht!) Zugehörige nach einem Suizid verletzt. Sie bleiben sturr bei ihrer Wertung, ein Suizid wäre immer etwas total verwerfliches und deshalb wäre die Bezeichnung Mord auch passend.
Mit ihnen kann man nicht diskutieren. Mich machen Menschen, denen es völlig egal ist, was sie anderen für Leid zufügen, echt betroffen und hilflos, – aber ich muss akzeptieren, dass man nicht alle überzeugen kann und es immer auch Gegenwind gibt, egal was man tut.

Aber zum Glück sind die „Unbelehrbaren“ ja total in der Minderheit und ich darf weiter an das Gute im Menschen glauben, denn ganz viele Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass Aufklärung der absolut richtige Weg ist.
Die allermeisten verwenden den Begriff „Selbstmord“ völlig gedankenlos, da er so sehr in unserem Sprachgebrauch verwurzelt ist. (Das habe ich bis vor ein paar Jahren auch getan.) Kaum jemand hat bisher über den Begriff nachgedacht und den meisten ist somit überbaupt nicht bewusst, dass er faktisch falsch und verletzend ist. Ich habe es in Gesprächen oft erlebt, dass mein Gegenüber sehr dankbar war für den Hinweis, denn die wenigsten möchten Mitmenschen verletzen. Und genau da können und sollten wir meiner Meinung nach ansetzen. Ich glaube, das beste Argument gegen den Begriff „Selbstmord“ ist die Tatsache, dass er anderen unnötig (noch mehr) Leid zufügt…

Ich habe vorgestern AGUS (Angehörige um Suizid) angeschrieben und hoffe nun sehr, dass man dort irgendwann eine eigene Stellungnahme zum Thema verfasst. Ich wünsche mir schon länger eine Alternative zur BVT Stellungnahme (https://bv-trauerbegleitung.de/…/Stellungnahme-des-BVT-zur-…), die ich bisher aus Ermangelung an Alternativen immer verlinke, wenn ich im Internet auf Beiträge mit dem Begriff „Selbstmord“ stoße. Das kannst du übrigens auch tun. Und auch du kannst natürlich in Gesprächen, in denen jemand von „Selbstmord“ spricht, freundlich erklären, warum Suizid oder Selbsttötung die besseren Begriffe sind.

#esheisstsuizid

Neuer Erklärungsversuch zu #esheisstsuizid

Das war mein Beitrag vom 20.1.19 bei facebook, nachdem es zum Teil sehr merkwürdige Reaktionen auf den ersten gab:

Ich bin ehrlichgesagt etwas verwundert und zum Teil auch schockiert, zu welchen Reaktionen mein Beitrag mit dem „Feldzug gegen das Wort Selbstmord“ geführt hat.
Da kam nicht nur viel Unverständnis, sondern eben auch regelrechtes „Gegenwettern“ bis hin zu persönlichen Angriffen und üblen Vorwürfen.
Viele scheinen gar nicht wirklich verstanden zu haben, worum es mir überhaupt geht. Nicht wenige haben sich offenbar auch gar nicht erst die Mühe gemacht, meinen Text vollständig zu lesen…

Es geht mir persönlich in erste Linie um die Hinterbliebenen nach einem Suizid.
Ich hatte bereits mit sehr vielen Kontakt und die Mehrzahl davon leidet unter der Bezeichnung „Selbstmord“.
Logisch, sie leiden unter noch so viel mehr, aber diese zusätzlichen Verletzungen durch den auch von der Definition her falschen Begriff „Selbstmord“ sind absolut nicht nötig, da wir in unserer Sprache ja bereits gute Alternativen haben. Was spricht also dagegen, dass wir uns alle mehr bemühen, nur noch die Bezeichnungen Suizid oder Selbsttötung zu nutzen?
Was ist so schwer daran zu verstehen, dass es gar nicht darum, ob wir persönlich den Begriff „Selbstmord“ als verletzend empfinden oder ob wir das Wort Suizid mögen oder nicht? Es geht nicht um uns, es geht darum, was wir mit dem Wort „Selbstmord“ anderen antun!

Ich werde mich auf jeden Fall weiterhin in der Sache engagieren und es ist mir tatsächlich vollkommen egal, ob das nun jedem gefällt, oder nicht.

(Natürlich haben auch alle recht die sagen, es muss mehr Aufklärung rund um die Ursachen von Suizidalität erfolgen und für die Suizid-Prävention getan werden. Da bin ich absolut der selben Meinung! Aber für mich schließt das eine das andere keineswegs aus. Daher bin ich ja z.B. auch Mitglied im Verein „TREES of MEMORY“ (https://www.treesofmemory-ev.com) und kann genau das allen wärmstens empfehlen, die meckern, mein „Feldzug“ ginge nicht weit genug.)

#esheisstsuizid

#esheisstsuizid

Lasst uns einen Feldzug gegen den Begriff „Selbstmord“ starten!
Alleine erreiche ich kaum etwas, aber gemeinsam können wir viel verändern.

Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, diesen von der Definition her falschen und viele Menschen sehr verletzenden Begriff langfristig aus dem deutschen Sprachgebrauch zu verdrängen.
Der Weg dahin ist meiner Meinung nach nur über Aufklärung und Sensibilisierung möglich, denn die allermeisten verwenden das Wort ja nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Gewohnheit und Unkenntnis/Gedankenlosigkeit.
Wer nicht selbst betroffen ist, hat sich in der Regel noch nie über den Begriff Gedanken gemacht und daraus kann man niemandem einen Vorwurf machen.

Ich glaube auch an das Gute im Menschen und gehe davon aus, dass die allermeisten das Wort nicht mehr so selbstverständlich verwenden würden, wenn sie wüßten, wie verletzend es für Hinterbliebene sein kann.
Und genau da müssen wir aus meiner Sicht ansetzen. Lasst uns für ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft sorgen.

Der Begriff „Selbstmord“ sollte auch deshalb schnellstmöglich aus unserem Sprachgebrauch verschwinden, da er auch faktisch völlig falsch ist, siehe dazu den Ausschnitt aus der Stellungnahmen von Norbert Mucksch, geschrieben für den BVT:
„Der Begriff „Mord“, der in der Bezeichnung „Selbstmord“ integriert ist, ist lt. Strafgesetzbuch der schwerste anzunehmende Straftatbestand und setzt eines von mehreren Merkmalen voraus.

„Mörder“ ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder aus sonstigen niederen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. (vgl. § 211, Absatz2 StGB)

Diese Definition von Mördern hat nicht im Geringsten mit der verzweifelten Situation zu tun in der sich Menschen in zugespitzten suizidalen Krisen befinden, die sich das Leben nehmen.
Und Trauernde nach Suizid sind nicht Hinterbliebene eines Mörders!“ (https://bv-trauerbegleitung.de/…/Stellungnahme-des-BVT-zur-…)

Wir alle können auf vielen Wegen helfen, das Wort zu verbannen, indem wir uns z.B. als erstes selber bemühen, nur noch von Suizid oder Selbsttötung zu sprechen. Natürlich können wir auch freundlich andere Menschen in Gesprächen darauf hinweisen, wo die Problematik bei dem Begriff liegt.

Die Medien müssen unbedingt sensibilisiert werden. Ich schreibe daher schon seit Jahren Journalisten an, wenn sie den Begriff in Artikeln genutzt haben oder veröffentliche Kommentare unter Beiträgen. Gerade hier könnten wir alle zusammen aber natürlich wesentlich mehr erreichen, als es mir alleine möglich ist.

Ich hoffe, dass auch Vereine und Organisation wie z.B. Trees of Memory und AGUS eigene Kampagnen diesbezüglich starten und für mehr Öffentlichkeit sorgen. Sinnvoll fände ich dafür weitere Stellungnahmen, die man leicht verlinken kann.

Mein Traum ist, dass das Thema viral geht und so möglichst viele Leute erreicht werden. Die regelmäßige Verwendung des Hashtags #esheisstsuizid könnte ein guter Anfang an.

Die Bilder aus diesem Beitrag dürft ihr übrigens frei nutzen und breitflächig streuen.

Wenn ihr noch andere Idee habt, was z.B. Hashtags und Slogans angeht, meldet euch bitte.

Und wer mehr Ahnung von Marketing hat, ist natürlich herzlich eingeladen, ganz eigene Dinge zu entwickeln. Ich selber habe ja leider kaum Erfahrung, was Marketing und den Social Media-Bereich angeht und freue mich daher sehr über jegliche Unterstützung in der Sache an sich. Alles ist gut, was hilft, den Begriff schnellstmöglich zumindest schon mal aus dem Hochdeutsch zu eliminieren.

(Diesen Text habe ich erstmalig am 11.1.2019 auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht. Es gab ziemlich unterschiedliche Rückmeldungen, weshalb ich dann ein paar Tage später nochmal mit einem neuen Beitrag darauf eingegangen bin.)